Die Psychologie der Buddhas

Raus aus dem Hamsterrad

Einen extrem gut bezahlten Job im Hightech Bereich wirft man nicht leicht so hin. Es war Spätsommer in München und irgendwo muss ich wohl gespürt haben, dass ich auf dem besten Weg war als mittelprächtiger Ingenieur in einem ganz normalen deutschen Leben zu ‚verkümmern‘. Paulo Coelho hat meine Geisteshaltung von damals gut beschrieben: “Wenn du glaubst Abenteuer sei gefährlich, dann versuche es mit Routine, die ist tödlich“! Also nichts wie weg! Mit der Bedenkenlosigkeit eines 25-jährigen habe ich kurzerhand meine LP Sammlung und restliche Habseligkeiten auf dem Münchner Flohmarkt verschleudert. Wenig später saß ich im Flug nach Bombay.

Die Psychologie der Buddhas

Indien. Nichts hier war irgendwie noch normal. Ich befand mich in einem Wirbelwind aus Düften, Musik, Lärm und Gestank in einer Rikscha auf dem Weg von meinem Hotel nach Juhu Beach, wo Osho in der Villa eines guten Freundes wohnte. Und dann saß ich zum ersten Mal vor Ihm! In seiner Vorlesung am 12.12 86 sprach Osho über die Psychologie der Buddhas:

“Dein Wesen ist immer gesund. Es kann nicht wissen was Krankheit ist, das liegt nicht in seiner Natur. Genauso wie der Verstand keinen Frieden kennen kann, kennt Dein Wesen weder Stress noch Ängste oder Leid. Das Problem liegt also nicht darin, den Verstand zu heilen; Die Frage ist stattdessen wie du deine gesamte Energie, deinen Fokus, umlenken kannst vom Verstand zum Sein. Diesen grundlegenden Wandel deiner Aufmerksamkeit, deines Bewusstseins, nenne ich die Psychologie der Buddhas. Es gibt nur einen Weg, um die Probleme Deines Verstands zu lösen und das ist: aus dem Verstand ganz herauszukommen. Meditation hilft dir auszubrechen!“

Die Psychologie für Kranke

Die Psychologie der Buddhas hat nicht viel mit traditioneller Psychologie zu tun. Laut Definition “bezeichnet Therapie alle Maßnahmen, die darauf abzielen, Behinderungen, Krankheiten und Verletzungen positiv zu beeinflussen”. Therapie eignet sich somit im Grunde nur für die Gesundung von kranken Menschen. Und was ist Gesundheit? Eine häufig zitierte Definition des Soziologen Talcott Parsons lautet: „Gesundheit ist ein Zustand optimaler Leistungsfähigkeit eines Individuums, für die wirksame Erfüllung seiner Rollen und Aufgaben“. Auf deutsch: funktioniere wie ein gut geschmiertes Rädchen im Getriebe. Nein Danke!

Die Herrschaft der Hohenpriester

Hierarchie, aus dem griechischen ‘Hierarkhes’, bedeutet “die Herrschaft des Hohenpriesters”. Der Unterschied zwischen dem Geistlichen Ratgeber der Antike und dem Seelendoktor der Neuzeit dürfte da vermutlich nicht allzu groß sein. Wissen ist Macht. Der Deal ist: Du hast ein Problem und der Profi liefert die Erlösung. Mit Profit. Das Fachwissen des Psychologen legt dabei den Grundstein für eine Hierarchie und schafft somit eine gewisse Distanz zwischen Therapeuten und Klienten.

Wenn ein Therapeut mit kranken Menschen arbeitet, dann macht es sicher auch Sinn sich den Patienten etwas vom Leib zu halten. Freud hat das so beschrieben: “Keiner, der wie ich das Übelste dieser halb gezähmten Dämonen beschwört, die in der menschlichen Brust wohnen, kann davon ausgehen, dass er im Kampf mit Ihnen unversehrt davonkommt. Herrjemine, das erklärt ja einiges! Gottlob arbeiten wir nicht mit Kranken und die Frage bei gesunden Menschen ist, völlig konträr dazu, wie wir Distanz überwinden können.

Begegnungen ohne Maske

Bereits in der Schule war ich Typen gegenüber misstrauisch gewesen, deren Job es war andere zu belehren, egal ob Lehrer, Priester, Gurus oder Psychologen und so war ich mehr als nur überrascht, als ich in Poona zum Osho Therapeuten Training eingeladen wurde. Es war sicher Prädestination, dass ich alle meine Aufzeichnungen aus dem Therapeutentraining verlieren sollte. 90 Tage Theorie, Techniken und Übungen für die Katz? Ich befragte dazu das Orakel und der Kommentar aus dem Tarot war klar und prägnant: Lass dein Wissen los!

Aber was bleibt, wenn ich Seminarteilnehmern ohne Erklärungsmodelle und fertige Lösungen begegne? Was geschieht, wenn ich nicht die Therapeuten Rolle spiele und stattdessen der bin, der ich bin, verletzlich und ohne Maske? Dann besteht die Möglichkeit einer aufrichtigen Begegnung zwischen zwei gleichwertigen Menschen, ohne Hierarchie. Genau darum gehts. Wie kann ich erwarten, dass ihr die Masken ablegt, wenn ich selbst nicht den ersten Schritt tue?

Wenn ich ein Seminar leite, dann bin ich nicht ein Lehrer, sondern ein Lernender, so wie Du. Ich verstehe mehr über mich selbst in der ehrlichen Begegnung mit dem Teilnehmer. Meine Aufgabe ist es nur dich davon zu überzeugen, dass du gesund, liebenswert und einzigartig bist. Oder wie Goethe das ausdrückt: »Behandle die Menschen so, als wären sie, was sie sein sollten, und du hilfst ihnen zu werden, was sie sein können.«

Unsere Reise vom Verstand zum Sein

Was haben Herakles, Moses, Ödipus, Poseidon und Zeus alle gemeinsam? Sie sind Aussetzungskinder. In einem Körbchen dem Wasser übergeben treiben sie dem Unbekannten entgegen. Oftmals sind die ersten Kindheitsjahre der göttlichen Kinder schwierig. Kein Wunder, wenn man wie die Helden der Antike, von Wölfen, Schafen oder Nymphen großgezogen wird. Doch dann erinnern wir uns wieder an unsere wahre Natur. Der amerikanische Mythenforscher Joseph Campbell nannte diese Station auf der Heldenreise Apotheose: der Held entdeckt, dass er ein göttliches Potenzial in sich trägt. Im Strahlen und in der Tiefe von Kinderaugen wird das Göttliche in uns offenkundig sichtbar: Unschuld, Vertrauen und Weisheit

Unsere eigene Heldenreise zu unserem wahren Selbst, führt über mehrere Stationen. Erst brechen wir aus dem Status Quo des Alltags aus, wo es gilt zu funktionieren, Rollen zu erfüllen und uns hinter Masken zu schützen. Das Lateinische Wort für Maske ist ‚Persona‘. Image und Masken bilden das Gewebe unserer Persönlichkeit. Wenn wir dann hinter den Schleier unserer funktionstüchtigen Persönlichkeit schauen, dann kommen wir in Kontakt mit unserer Verletzlichkeit und unseren Verletzungen. Die Begegnung mit unserem „verletzen Kind“ – mit unseren Ängsten, Schuld oder Schamgefühlen – ist bloß eine Zwischenstation auf dem Weg zu unserer wahren Natur. Ob Primär Intensiv oder Path of Love, die Wegbeschreibung ist identisch: Unsere Reise führt von der Maske zum Magischen Kind, von der Persönlichkeit zu deiner Essenz, vom Verstand zum Sein.

Dein Wesen weiß nicht was Krankheit ist

Rumi beschreibt das so: „Du bist mit einem Potenzial geboren worden. Du bist mit Güte und Vertrauen geboren worden. Du bist mit Idealen und Träumen geboren worden. Du bist mit Größe geboren worden. Du bist mit Flügeln geboren worden. Du bist nicht zum Kriechen geboren, also krieche nicht. Du hast Flügel. Lerne, sie zu gebrauchen und fliege!“

Vor ein paar Monaten hatte ich ein Interview mit einem Teilnehmer und mir fiel auf, dass er sich wie ein Sünder ständig selbst kritisierte. Also bemerkte ich, dass er wohl sehr streng mit sich selbst sei und er antwortete, dass sein Psychologe ihn als narzisstisch neurotisch diagnostiziert hätte. Ich antwortete Ihm, dass er meiner Meinung nach einfach noch nicht gelernt habe sich selbst zu lieben. Und dann nach nur 6 Seminartagen wurde ich Zeuge, wie er ‘zum ersten Mal in seinem Leben völlig im Frieden mit sich selbst war‘. Er war nach Hause gekommen, vom Verstand zum Sein. Und dort fand er Selbstliebe.

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